Sonntag, 1. September 2013

[text] Kinderfilme & Mobiltelefone

So, heute gibts mal etwas mehr Text, sagt mir doch bitte, wie ihr solche Texte findet und ob ihr gerne mehr davon lesen würdet! :)

Kennt ihr das auch, wenn ihr euch plötzlich an einen Film erinnert, den ihr vor einer Ewigkeit das letzte Mal gesehen habt? Wie aus dem Nichts kommen Erinnerungen an bestimmte Szenen hervor und man will den Film so schnell wie möglich wieder schauen. Das ist mir vor kurzem passiert; und zwar dachte ich auf einmal an Pünktchen und Anton. 
Zuerst kam mir das komisch vor, ich dachte mir: "Was soll denn das? Das ist ja ein Kinderfilm!" Dann beschloss ich, mir den Film zu besorgen. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, war, als ich etwa sieben Jahre alt war und der Film im TV kam. Das ist mehr als zehn Jahre her, darum konnte mich nur noch an wenige Szenen und Personen aus dem Film erinnern.

An einem verregneten Tag machte ich mich auf den Weg in die Stadt, um den Film in der Bibliothek auszuleihen. Da ich mir sonst nie Kinderfilme anschaute, suchte ich erstmal eine Weile bei den Filmen, die ich mir sonst angucke; Filme für Teenager und Erwachsene. Ich wurde aber nicht fündig. Etwas ratlos stand ich da. Ich hatte doch extra noch im Internet nachgeschaut, ob der Film in der Bibliothek überhaupt vorhanden war! Dann wurde es mir klar: Pünktchen und Anton ist ein Kinderfilm, also musste ich - und das war wirklich komisch - bei den Kinderfilmen nachsehen! 
Ich stand kurz darauf vor dem riesigen Regal mit Kinderfilmen und kam mir ziemlich fehl am Platz vor. Neben mir stand eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter, die mich misstrauisch beäugte. "Möchtest du Caillou ausleihen?", fragte die Mutter, woraufhin die Tochter heftig den Kopf schüttelte und eine andere DVD aus dem Regal zog. Zwischen Bambi und Küss den Frosch stehend, suchte ich nach Pünktchen und Anton. In dem ganzen Chaos, welches dort herrschte, dauerte es ellenlang. Damit ich mir nicht ganz so komisch vorkam, griff ich nach einer Harry Potter DVD. (Ehrlich gesagt finde ich nicht, dass Die Kammer des Schreckens für Sechsjährige geeignet ist, aber darüber lässt sich streiten ;-) ) Und dann fand ich endlich, was ich haben wollte.


Gleich nach dem Abendessen sah ich mir den Film an. Er war genau so wunderbar, wie ich ihn in Erinnerung hatte - auch wenn ich ihn dieses Mal nicht mehr durch "Kinderaugen" sah. An einigen Stellen war ich echt gerührt, aber ich musste auch viel lachen. Ich stehe sonst mehr auf ernste, eher traurige Filme, aber es tat mir echt gut, Pünktchen und Anton zu schauen. Ein echter Feelgood-Movie. Egal, wie alt ihr seid: Wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt - nachholen, und zwar schnell! :)
Von allen Personen, die im Film vorkommen, mag ich nach wie vor das Au-pair Mädchen Laurence (gespielt von Sylvie Testud) am liebsten. Was ich lustig finde: Sylvie Testud spielt die Hauptrolle in einem meiner heutigen Lieblingsfilme und ich wusste nicht, dass sie auch die Rolle der Laurence gespielt hatte.
Irgendwie ließ mich der Film nicht mehr los und ich musste am folgenden Tag ständig daran denken. Was war es, das mich so faszinierte? Was hat dieser Film, was heutige Kinderfilme nicht haben?

Die Antwort auf diese Fragen kam, als ich im Bus sass: Im ganzen Film sieht man kein einziges Handy und keinen einzigen Computer. Wörter wie Facebook, Internet und SMS wurden nicht genannt. Man klingelte noch bei den Freunden anstatt ihnen eine Whatsapp-Nachricht zu schicken. Niemand hat ein iPhone und trotzdem amüsieren sich alle prächtig. Und meiner Meinung nach ist es das, was uns heute fehlt.

Ein gutes Beispiel dazu: Einige Stunden, bevor ich mir den Film ausgeliehen hatte, regnete es wie verrückt und niemand aus meiner Klasse hatte einen Schirm. So mussten wir alle zur Bushaltestelle rennen und waren schon nach wenigen Sekunden völlig durchnässt. Endlich bei der Bushaltestelle angekommen, hörte man Dinge wie "Oh nein, mein Handy ist nass geworden!" oder "Shit! Ich hoffe, mein iPod funktioniert noch!" Einer Freundin ist das Handy sogar beim Sprint zur Bushaltestelle aus der Tasche gefallen und es lag irgendwo in einer Pfütze. (Glücklicherweise fand sie es wieder und es funktionierte sogar noch.) Aber das Traurige an der Sache ist, das unsere Sorge und Aufmerksamkeit einzig und allein bei unseren elektronischen Geräten lag. Alle, ja, auch ich, holten als erstes ihre Handys und iPods aus der Tasche und prüften, ob alles in Ordnung war. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe.
Klar, all diese Sachen gehören zu dieser Generation, wie es früher bei Plattenspielern und Kassettenrekordern der Fall war. Auch ich nutze vieles, was vor fünfzehn Jahren noch nicht so alltäglich war: Facebook, Twitter, Blogger, Foursquare, Instagram, tumblr... Es ist praktisch, nicht mehr ständig telefonieren zu müssen, wenn man jemandem mal kurz was mitteilen will und es ist auch super, Bus- und Zugfahrpläne via Handy abrufen zu können.


Aber es ging doch früher auch ohne diese Dinge! Man ging aus und verbrachte eine super Partynacht, ohne ständig am Handy zu kleben und den Drang zu haben, allen mitteilen zu müssen, wo man mit wem gerade was macht.  Man trank den Kaffee oder aß die Pizza,  ohne sie vorher noch zu fotografieren und zu bearbeiten. Man fotografierte nicht mit der Absicht, viele Likes zu bekommen.
Natürlich möchte ich selbst auch nicht mehr auf mein Smartphone oder meinen Computer verzichten. Auch ich würde mich grün und blau ärgern, wenn ich mein Handy verlieren würde. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es viel Wichtigeres gibt; dass man den Fokus auf andere Dinge legen sollte. Denn Gefühle, Freundschaft, Liebe & Co werden die elektronischen Geräte nicht ersetzen. Whatsapp-Nachrichten werden nie den selben Wert haben wie ein Gespräch, wo das Handy in der Tasche bleibt. SMS werden nie dasselbe bewirken wie handgeschriebener Brief und ist es nicht schön, mal einen Tag lang zu machen, was man will, ohne ständig zu denken, man müsse erreichbar sein?!
Vielleicht werden manche von euch jetzt denken, ich sei altmodisch eingestellt. Mag ja sein, aber für mich gibt es nichts Besseres als das Gefühl der Unbeschwertheit und der Freiheit. Und dort haben Handys und Computer bei mir einfach keinen Platz... ;)

"We can’t jump off bridges anymore because our iPhones will get ruined. We can’t take skinny dips in the ocean, because there’s no service on the beach and adventures aren’t real unless they’re on Instagram. Technology has doomed the spontaneity of adventure and we’re helping destroy it every time we Google, check-in, and hashtag." (x)

pictures via cinefacts and weheartit



Kommentare:

Susan hat gesagt…

Ein super Post. Ich erinnere ich auch oft an meine frühe Kindheit, wo ich einfach jeden Tag draußen gewesen bin und gespielt habe. Heute erwische ich mich auch oft am Laptop und Smartphone, aber verzichten möchte ich darauf auch nicht mehr. Danke für den Filmtipp, bei Gelegenheit werde ich ihn mir wohl mal anschauen.:)
Alles Liebe,
Susan

www.knallzart.blogspot.com

Sabrina hat gesagt…

Früher ging es ohne - heute gehört es einfach dazu. :)
Wer weiß, was unsere Kinder später einmal zu ihren Kindern sagen, wenn es heißt "es ging doch auch ohne"? :P

Tami R. hat gesagt…

Pünktchen und Anton habe ich auch sehr geliebt! :)
Mach weiter so, du kannst sehr gut schreiben! :)

Xoxo,
Tamara

http://banana--fashion.blogspot.de/

Pipi Langstrumpf hat gesagt…

Sehr guter Post :)

Lusanna Liv hat gesagt…

Pünktchen und Anton <3